Demo am 26.07.2022: GeFo Göttingen retten!

Am 26.07.2022 gingen Studierende für den Erhalt des Studiengangs der Geschlechterforschung an der Uni Göttingen auf die Straße. Wir steuerten einen Redebeitrag bei, den ihr hier zum Nachlesen findet:

Wir sind Uni Göttingen Unbefristet, eine Initiative von Beschäftigten der Universität Göttingen mit dem Ziel der umfassenden und gleichstellungsorientierten Entfristung von Mitarbeiter*innen in Wissenschaft, Technik und Verwaltung.

Warum betrifft uns, als Bündnis für Entfristung und Dauerstellen für Daueraufgaben an der Universität Göttingen das Thema Geschlechterforschung?

Zunächst einmal, weil es unsere Kolleg*innen sind, die, wie wir auch, auf größtenteils befristeten Stellen Studium und Lehre mit viel persönlicher Motivation und Leidenschaft sowie zahllosen unbezahlten Überstunden am Laufen halten. (Pause)

Doch auch in den Strukturen der Universität ist genderbasierte Diskriminierung Teil unserer Lebensrealität. So zum Beispiel die „Leacky Pipeline“, die undichte Leitung, in der zwar mehr Frauen ein Studium beginnen und auch abschließen, aber Führungspositionen in der Wissenschaft, sowie an der Uni allgemein, noch immer vor allem von Männern besetzt sind.

Patriarchale Strukturen, Konkurrenzdenken, Machtmissbrauch bis hin zur körperlichen Gewalt an Frauen (wie wir in diversen Gerichtsverfahren gegen Göttinger Professoren sehen müssen) gehören leider zum Alltag von Universitätsmitarbeiter*innen. Davon sind Mitarbeiter*innen in Wissenschaft, Technik und Verwaltung genauso betroffen wie Studierende. Studentische Hilfskräfte und Lehrbeauftragte sind zudem aufgrund ihres Status an der Uni und ohne gewählte Vertreter*innen besonders vulnerabel.

Die Uni sagt, sie wollte Gleichstellung: mit dem Unterzeichnen der Charta der Vielfalt, der Teilnahme am Professorinnen Programm und in jeder ihrer Stellenausschreibungen. Stellen, die leider viel zu oft befristet sind. Fast 90% des wissenschaftlichen Personals an der Universität Göttingen jenseits der Professur ist befristet und immerhin über 25% des Personals in Technik und Verwaltung. Frauen finden sich zudem oftmals in Zwangsteilzeit wieder, arbeiten aber 100% und mehr.

Auch Gleichstellungsarbeit oder andere Genderbezogene Themen, wie die Beratung von Trans*-Studierenden sind an der Universität größtenteils nicht mit Daueraufgaben versehen, sondern werden als „Projekte“ behandelt, oder etwas, das Mitarbeiter*innen doch mal so „nebenbei“ ehrenamtlich machen könnten.

Das alles zeigt, nur exemplarisch an unserer Universität, dass wir mit dem Thema Gender als Uni Göttingen und als Gesellschaft noch nicht fertig sind. (Pause)

Es mag sein, dass das Präsidium Probleme wie Rassismus und Sexismus nicht wahrnimmt oder wahrhaben möchte. Wir jedoch stehen fest an eurer Seite, da wir der Meinung sind, dass es in diesem Bereich noch viel zu beforschen und zu lernen gibt.

Mit solidarischen Grüßen,

Uni Göttingen Unbefristet