Unsere Stellungnahme zum Gerichtsurteil wegen Machtmissbrauch an der Universität Göttingen vom 30.03.2022

Zum Hintergrund (Trigger Warnung: sexualisierte Gewalt): NDR Artikel und NDR Video

Wir haben lange darüber nachgedacht, wie wir auf angemessene Weise über das schreiben könnten, was unseren Kolleginnen durch ihren Promotionsbetreuer und Vorgesetzten angetan worden ist. Viel ist dazu bereits in den (sozialen) Medien gesagt worden. Wir sind noch immer verunsichert und entschuldigen uns, falls der Beitrag von den Betroffenen als nicht respektvoll empfunden wird. Sie haben die Interpretationshoheit.

Zunächst einmal möchten wir den betroffenen Kolleginnen unser Mitgefühl und unsere Solidarität aussprechen. Wir sind fassungslos über das Gerichtsurteil und dessen Begründung. Wie es ihnen im Moment geht, können wir uns gar nicht vorstellen. Was passiert ist, macht uns zutiefst betroffen, traurig und wütend.

Als Initiative für alle Mitarbeiter*innen der Universität Göttingen, welche die prekären Arbeitsverhältnisse, die durch Dauerbefristung entstehen, aufzeigt, sind wir mit der Problematik persönlich vertraut. Leider sind uns auch Fälle von Machtmissbrauch und Übergriffen durch Vorgesetzte und Betreuer*innen bekannt bzw. haben Kolleg*innen diese erleben müssen.

Daher möchten wir in diesem Beitrag vor allem den Kolleg*innen Mut machen, die sich diesen missbrauchsbegünstigenden Strukturen gegenüber sehen. Ihr seid nicht allein! Uns erreichten in den letzten Tagen viele Nachrichten von Kolleg*innen aus Initiativen aus ganz Deutschland, die ihre Solidarität und ihr Mitgefühl bekundeten und das Urteil schlicht falsch finden. Hier ein Beispiel:

Weitere Tweets unten im Beitrag

Kolleg*innen, die sich aktuell mit derartigem Machtmissbrauch konfrontiert sehen, wollen wir ermutigen ihr Schweigen zu brechen. Inzwischen gibt es eine andere Gesetzeslage sowie unabhängige Beratungsstellen wie z.B. das Netzwerk gegen Machtmissbrauch in der Wissenschaft, sowie in Göttingen die Frauenberatung und den Frauennotruf, die ihr nutzen könnt.

Und für alle, die dies gerade brauchen: Ihr seid nicht verantwortlich für das, was euch passiert und ihr seid nicht allein! Das Problem ist ein systemisches, das nur durch umfassende Reformen verändert werden kann. Es ist und war nie eure Schuld!

Zuletzt wenden wir uns mit einem Appell an Hochschulpräsidien und die Politik: Beenden Sie die abhängigkeitsfördernde Kettenbefristung von Universitätsmitarbeiter*innen in Wissenschaft, Technik und Verwaltung! Für eine gleichstellungsorientierte, umfassende Entfristung aller Statusgruppen! Zum Wohle aller!